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Am 26. April jährt sich der Atomkraftwerks Super Gau in Tschernobyl zum 40. Mal. Auch wenn dieser denkwürdige Tag zunehmend aus dem kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft verschwindet, ist er bedeutender denn je. Ein kurzer Blick zurück: ein missglückter Reaktortest am frühen Morgen des 26. April 1986 führte zur Explosion des Reaktorblocks 4 des AKW’s in Tschernobyl. Als Folge davon kam es zu einer Kernschmelze und einem massiven Austritt von Radioaktivität. Die Katastrophe verseuchte ganz Europa, besonders betroffen war aber die nähere Umgebung, insbesondere die Stadt Prypjat. Gemäss Zahlen der WHO gab es rund 60 Tote aufgrund direkter Auswirkungen und ca. 4000 Krebstote wegen Spätfolgen. Je nach Quelle sollen es gar zehntausende Tote sein. Nachdem es gelang den Kernbrennstoff zu löschen, konnte ein erster Sarkophag um den Reaktor herum gebaut werden. Dieser war auf eine Betriebszeit von 30 Jahren ausgelegt, erhielt allerdings schnell Risse und war nicht mehr dicht. Deshalb hat man 2015 das sogenannte «New Safe Confinement» darübergestülpt, welches uns weitere 100 Jahre vor den radioaktiven Gefahren schützen soll. Bildquelle Wikipedia Wie man sieht, das Problem ist nicht gelöst, sondern wieder nur aufgeschoben. Der Plan ist nun, das Kraftwerk unter dem neuen Sarkophag zurückzubauen. Die Gefahr ist nämlich nach wie vor sehr gross, da noch der Löwenanteil an radioaktivem Potential im Kraftwerk brachliegt. Sollte dieses frei werden, wäre das erneut eine grosse Herausforderung für ganz Europa.
Der Ukrainekrieg verdeutlicht uns wie nahe wir uns an einer neuen Katastrophe bewegen: Eine russische Drohne hat das Confinement im Jahr 2025 stark beschädigt. Die Folgen sind noch nicht bekannt. Wer nun glaubt, die Menschheit hätte etwas daraus gelernt, sieht sich getäuscht. Der Super Gau in Fukushima im Jahr 2011 hat uns verdeutlicht, dass die Kraftwerke auch heute keineswegs vor solchen Desastern sicher sind und Disfunktionalitäten längst nicht nur ein Problem russischer Schrottreaktoren sind. Es wird zwar beschwichtigt, heute sei alles besser und neue Technologien liessen solche Gau’s nicht mehr zu. Aber - können wir das glauben? Nach Fukushima wurden ernsthafte Bestrebungen sichtbar, aus dieser Technologie auszusteigen. Das AKW Mühleberg ist inzwischen stillgelegt. Leider ist das Lippenbekenntnis gegen die Atomtechnologie heute bereits wieder Makulatur. Unsere Klimapaniker versuchen uns weiszumachen, dass der Energiehunger nur mit der Atomkraft gestillt werden kann und dies die klimatechnische Rettung der Welt sei. Auch in der Schweiz diskutiert man ein AKW Revival. Der Grundstein dazu, man glaubt es kaum, wurde genau am 15. Jahrestag der Fukushima-Katastrophe gelegt, als das Parlament den Ausstieg aus dem Ausstieg beschloss. Ob allerdings je ein neues AKW in der Schweiz gebaut wird, steht in den Sternen. Schon bei der Finanzierung dürften sich tiefe politische und wirtschaftliche Gräben auftun. Spätestens bei der nächsten grösseren Krise in einem modernen Kernkraftwerk wird sich das Problem dann womöglich von selbst lösen. Wir werden sehen.
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Die Finnen haben ein Atomkraftwerk neuster Generation in Betrieb genommen! Eine tolle Leistung, könnte man meinen. Schaut man aber hinter die Kulissen, dann sieht das Ganze weniger rosig aus:
14 Jahre Verspätung und Kosten von über 11 Mia € (der Kaufpreis lag ursprünglich bei ca. 3 Mia €). Ähnlich beim sich noch im Bau befindlichen Druckwasserreaktor desselben Typs in Flamanville (FR): aktuell rechnet man mit 13 Mia Kosten und er ist bereits seit 15 Jahren im Bau. All die Fehler und Pannen bescheren mir nicht wirklich ein gutes Sicherheitsgefühl. Um unsere AKW’s zu ersetzen, müssten hier zwei solche Reaktoren gebaut werden. Wie glauben die Schweizer Atom-Träumer, dass sie das finanzieren können? Ich wage zu behaupten, dass keiner unserer Stromkonzerne auch nur ansatzweise in der Lage wäre eine solche Investition zu stemmen. 1990 wurde in der Schweiz ein AKW-Bau-Moratorium beschlossen. Wir müssen uns heute die Frage stellen, weshalb es Industrie und Politik nicht fertig gebracht haben, daraus etwas zu machen: Sie hätten 33 Jahre Zeit gehabt, Alternativen hochzufahren. Der Strommangel ist eine Folge davon, dass die Atom-Lobbisten den Unwillen des Volkes einfach versucht haben auszusitzen. Und nun benutzen sie das Energieloch als Druckmittel, um uns eine solch risikobehaftete Technologie aufzuzwingen. Ganz im Sinne des neuen Atomkraft Hypes stimmt auch die Luzernerzeitung in den Jubel-Chor ein. Vergessen sind die Katastrophen von Tschernobyl oder Fukushima und deren Folgen. Doch: Es gibt noch eine Menge Uralt-Kraftwerke und längst nicht alle Anlagen werden in einem sicheren Umfeld betrieben (siehe Ukraine). Leider ist zu befürchten, dass es erneut zu atomaren Unglücken kommt. Dann werden die Loblieder wohl wieder verstummen. Die Kraft aus der Spaltung von Atomen. Teil des Energiemixes, welcher unser tägliches Leben angenehm gestaltet und die Wirtschaft am Leben erhält. Eine Renaissence zeichnet sich ab, sie wird wieder salonfähiger. Selbst links-grüne Kräfte sind affiner gegenüber der Kernkraft geworden, weil sie diese als Rettung vor dem Klimakollaps sehen. Der vermeindlich saubere Strom soll die Menschheit weg von den fossilen Energieträgern führen und Bandenergie statt „Flatterstrom“ liefern. Wie utopisch das ist beleuchte ich im Essay dazu: Download Mein Webportal wellenberg.org hatte sich bis anhin in erster Linie der Bekämpfung eines Endlagers für radioaktive Abfälle im gleichnamigen Berg bei Wolfenschiessen verschrieben. Gleichzeitig sind Informationen zu Endlagern, zur Atomtechnologie und zur Energiegewinnung im Allgemeinen hier publiziert.
Dieses Jahr hat die NAGRA entschieden, ein Endlager für sämtliche Typen radioaktiver Abfälle am Standort „Nördlich Lägern“ in der Nordschweiz zu realisieren. Damit ist der Wellenberg als Standort mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit kein Thema mehr. Mein Blog ist deshalb aber noch lange nicht nutzlos geworden. Ich werde auch dieses neue Projekt verfolgen, hier die wichtigsten Meilensteine veröffentlichen und allenfalls kommentieren. In aller Munde ist derzeit die sogenannte Energiekrise. Es wird proklamiert, dass wir schon diesen Winter Stromausfälle/Blackouts haben werden und die Energieversorgung insgesamt auf sehr schwachen Beinen steht. Wie dramatisch das wirklich ist, kann nur schwer eingeschätzt werden. Es ist wohl eine Mischung zwischen Panikmache, monetären Interessen und tatsächlichen Energieengpässen. In diesem Zusammenhang wird vermehrt eine Rückkehr zur Kernenergie diskutiert. Es gibt mittlerweile bereits eine gut organisierte Lobby dazu und spannenderweise sind auch linke und grüne Kreise teilweise nicht abgeneigt, diese angeblich saubere (CO2 freie) Art der Energiegewinnung als Ergänzung zu den erneuerbaren Stromquellen zu akzeptieren. Atomkraftwerke sind weder „sauber“, noch ist deren Energie CO2 frei hergestellt. Auch wenn sich solche Mythen hartnäckig halten, gibt es eine technische Realität und dieser muss Rechnung getragen werden. Deshalb werde ich auf meinem Portal inskünftig vermehrt auf diese Diskussion eingehen und meinen Blog entsprechend ergänzen. Ich sehe die Kernenergie nach wie vor höchst kritisch, insbesondere weil sie A) sündhaft teuer ist, B) schwer kalkulierbare Risiken birgt und C) strahlende Abfälle produziert, welche die Menschheit auf unbeschränkte Zeit hinaus belasten werden. Die Nidwaldner Regierung kann im Rahmen der Vernehmlassung zur Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager Stellung beziehen und hat nun eine Antwort an den Bundesrat parat.
Das Nidwaldner Stimmvolk hatte sich in der Diskussion um das geplante Endlager im Wellenberg ein Mitspracherecht erkämpft. Das umfasst, dass alles was entschieden oder eben gegenüber des Bundes kommuniziert wird, zur Abstimmung gebracht werden muss. So auch dieses Schreiben. Kurz zusammengefasst steht darin, dass die bisherigen Erkenntnisse insbesondere bezüglich Sicherheit belegen, dass sich der Wellenberg nicht als Endlager eignet. Die Regierung unterstreicht ihre ablehnende Haltung dem Projekt gegenüber und verlangt, dass der Wellenberg definitv aus der Kandidatenliste gestrichen wird. Es ist wichtig, dass auch dieses Mal die Stimmenden klar gegen den Wellenberg Stellung beziehen. Deshalb ist die Anstimmungsvorlage „Wollen Sie dem Beschluss über die Verabschiedung der Vernehmlassung des Regierungsrats an den Bundesrat zu 2. Etappe des Sachplanverfahrens geologische Tiefenlager zustimmen“ mit einem klaren JA zu unterstützen. Eine Zusammenfassung an Informationen finden Sie im „Brennpunkt Wellenbergbrennpunkt_wellenberg.pdf“. Im Zusammenhang mit der Atomausstiegsinitiative wird dauernd behauptet, das wäre eine Kurzschlusshandlung. Diese Aussage ist grundfalsch.
Am 1. Januar 1989 wurden die Baupläne für das KKW Kaiseraugst definitiv beerdigt. Genau seit dann war der Stromindustrie klar, dass in der Schweiz nie wieder ein Atomkraftwerk gebaut wird. Inzwischen hat man 27 Jahre lang eine Weiterentwicklung der Stromwirtschaft blockiert/verschlafen/ausgesessen. Das Märchen von den neuen Atom-Wundertechnologien ist nicht wahr geworden (und wird es auch in den nächsten 30 Jahren nicht) siehe auch: Link Es wird Zeit der Atomlobby das Messer an den Hals zu setzen. Nur unter Druck wird man sich endlich mit einer alternativen Stromzukunft beschäftigen. Wir können die AKW’s ohne Ende laufzeitfrei betreiben, müssen dann aber damit leben, dass in 20-30 Jahren die Stromkonzerne bei deren Ausserbetriebnahme immer noch von Kurzschlusshandlungen sprechen, weil sie es erneut erfolgreich geschafft haben den Technologiewandel bis dahin zu verhindern. Deshalb: JA zu Atomausstiegsinitiative. Ohne Wenn und Aber. Der Ausstieg der Schweiz aus der Atomtechnologie ist gewiss, auch wenn das viele noch nicht wahrhaben wollen. Weder wird je ein neues solches Kraftwerk in der Schweiz gebaut, noch ist in den nächsten 30 Jahren mit bahnbrechenden technologischen Fortschritten zu rechnen, welche es rechtfertigen würden, darauf zu warten.
Man muss sich deshalb fragen: Kommen wir um die Energiewende noch herum? Ich behaupte: NEIN. So gesehen bleibt als Königsweg nur die unverzügliche und intensive Investition in die Weiterentwicklung von alternativen Energiequellen. Gewiss, das wird viel Geld kosten und es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Konsument seinen Teil dazu beitragen muss. Aber wir haben keine andere Option und je schneller wir beginnen umzudenken, desto weniger laufen wir Gefahr in Stromlücken zu geraten oder die Umwelt zu schädigen. Vorausschauend auf die anstehende Abstimmung über die Atomausstiegsinitiative heisst das: Eigentlich kann man dazu mit gutem Gewissen ja sagen, denn eine Annahme der Initiative beschleunigt lediglich einen Prozess, welcher so oder so auf uns zukommt. In einem Essay habe ich das Thema aufgearbeitet: Atomtechnologie: Quo vadis? Am 26. April 1986, um etwa 2 Uhr morgens havarierte das Kernkraftwerk in Tschernobyl.
Es war der Start zu einer beispiellosen Katastrophe, welche bis heute Auswirkungen zeigt. In einem Essey habe ich dieses Ereignis kurz zusammengefasst und kommentiert. Zu lesen hier: Essey Tschernobyl Südkorea hat in Gyeongju asienweit das erste Endlager für schwach- und mittelradioaktive Materialien eröffnet. Verantwortlich dafür zeichnet die KORAD (Korea Radioactive Waste Agency). Die Anlage wurde innert 10 Jahren geplant, bewilligt, gebaut und in Betrieb genommen. Sie ist romantisch am Meer gelegen und repräsentiert eine etwas andere Philosophie der nuklearen Abfallentsorgung als wir es kennen.
Ein Teil der Anlage ist unterirdisch aber oberflächennah gebaut und der Abfall wird in Silos versenkt. Der zweite Teil der Anlage ist für die oberirdische Lagerung konzipiert. Das Fassungsvermögen der ganzen Infrastruktur umfasst etwa 220000 Fässer. Eine permanente Oberflächenlagerung birgt Risiken und die Nähe zum Meer macht die Sache nicht besser. Die Erdbebengefahr ist in dieser Region moderat, allerdings kommt es vor, dass Südkorea von Beben mit über 5.0 auf der Richterskala heimgesucht wird, letztmals 2014. Es wird nötig sein, dass man das Lagerkonzept im Auge behält. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Anlage früher oder später für Gesprächsstoff sorgt. Die NAGRA hat heute eine erste Entscheidung in Sachen Endlager kommuniziert. Dieser zu Folge scheint der Wellenberg vorerst aus der Auswahl gestrichen zu sein. Der Standort soll im Jura Ost (Aargau) und Zürich Nord (Weinland) zu liegen kommen. Allerdings handelt es sich dabei aber noch nicht um eine definitive Auswahl. Als nächste Instanz wird nun das ENSI die ganze Sache begutachten. Dabei sind wieder alle Standorte im Spiel. Im Weiteren kündigt sich Widerstand aus Deutschland an. Baden-Würtemberg will sich in das Verfahren einklinken.
Deshalb ist es noch zu früh in Nidwalden die Korken knallen zu lassen. Der Wellenberg kann jederzeit reaktiviert werden. Und das Erste Mal wär’s ja auch nicht. |
Wäli KammermannSeit 1986 engagiert um ein Endlager im Wellenberg zu verhindern. Archiv
April 2023
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